Behandlung eines Hundes mit PTBS: Der Erfahrungsbericht über einen mißhandelten Hund aus der Sicht der "Hundeeltern"

 

„Ein Hund lebt im Hier und Jetzt, er vergisst im neuen Zuhause ganz schnell, was er früher erlebt hat.“. Diesen Satz höre ich immer wieder auf der Hundewiese, sobald man die Geschichte eines misshandelten Hundes erzählt. Die Realität sieht leider anders aus, denn häufig genug sind manch schreckliche Erlebnisse so tief im Unterbewusstsein verankert, dass wir Hundeeltern sie auch mit viel Liebe, Training und Ausdauer nicht ganz löschen können. Dass trotzdem aus einem ängstlichen, teilweise sogar panischen Hund mithilfe der TCM eine tiefenentspannte Coach-Potato werden kann, zeigt das Beispiel unseres Hundes.

 

Zieht ein erwachsener Hund ins Haus ein, bringt er seine eigene Geschichte mit. Bei dem einen ist sie schön, bei dem anderen fürchterlich. Letzteres gilt für unseren Mischlingsrüden, der mit ca. 6 Jahren zu uns kam. Wahrscheinlich hat Mutz (Name vom Frauchen aus Datenschutzgründen geändert) die ersten Lebenswochen auf der Straße verbracht – in einem Land, in dem Straßenhunde misshandelt werden. Mit wenigen Monaten wurde er dann von Touristen nach Deutschland geholt. Was dann folgte, können wir nur anhand der Erzählungen von Menschen, die ihn aus der Zeit bei seinen Vorbesitzern kennen, erahnen. So manch einer berichtete uns von Schlägen und brutalen Erziehungsmaßnahmen. Einige Nachbarn waren wohl kurz davor, den Tierschutz einzuschalten, getan hat es aber keiner. Die Besitzer selbst gaben den Hund nach einigen Jahren angeblich aus Gesundheitsgründen ab. Es folgten diverse Pflegestellen, die er bereits nach kurzer Zeit wieder verlassen musste, da die Menschen nicht mit ihm zurechtkamen. Aber irgendwann war der Tag da, an dem Mutz endlich den Weg zu uns fand oder wir zu ihm, ganz wie man mag.

 

Die ersten Wochen mit ihm waren außerhalb unseres Grundstücks für beide Seiten die Hölle auf Erden. Ich habe noch nie in meinem Leben einen so ängstlichen Hund erlebt, der auf alles und jeden losging. Von der Krähe über Passanten, Radlfahrer, Autos bis hin zu großen LKWs wurde alles in höchstem Maße aggressiv angebellt. Dabei war der Hund kaum mehr an der Leine zu halten, so tobte er. Mütze aufsetzen oder im Garten höhere Zweige abschneiden? Ein Ding der Unmöglichkeit für meinen Mann, ohne dass Mutz voller Angst Zähne fletschend an ihm hochsprang – zugebissen hat er nie!

 

Im Haus war und ist Mutz der größte Schmusebär auf Erden. Das bestärkte uns auch darin, dass tief in Mutz Inneren eigentlich ein ganz friedlicher, liebevoller Kerl schlummert. Ihn wieder hergeben und damit aufgeben? Diese Option gab es für uns nie, denn das hatte er zu häufig in seinem Leben durchmachen müssen! Stattdessen gab es ein Fitnessprogramm zum Stressabbau: Mehrere Stunden täglich gingen wir mit ihm spazieren. Außerdem gab es viele Suchspiele, die er voller Begeisterung mitmachte. Gemeinsames Schmusen stand natürlich auch auf dem Tagesprogramm. Schritt für Schritt konnten wir so das Vertrauen zwischen uns Zweibeinern und unserem Vierbeiner aufbauen. Nach wenigen Monaten war ein entspanntes Gassigehen möglich – wenn auch immer an der Leine.

 

Trotz dieser großen Verbesserungen: Mit Liebe und Training lassen sich leider nicht alle fürchterlichen Erlebnisse löschen, die Mutz durchmachen musste. So blieben weiterhin genügend Situationen, in denen unser Hund in Panik geriet. Im Haus mit dem Wischmopp putzen? Das ging nur, wenn Mutz nicht im gleichen Zimmer war. Gewitter und Sylvester sind zwei weitere Themen. Sobald es draußen stürmte und donnerte, wurde aus unserem ruhigen Mutz ein ferngesteuerter Hund, der verzweifelt einen Platz zum Verstecken suchte. Hatte er diesen endlich gefunden, hielt er es dort keine Minute aus, und schon tigerte er wieder verzweifelt durchs Zimmer. Das einzige, was etwas half, war von Frauchen oder Herrchen fest umarmt auf dem Sofa zu sitzen.

 

Dies erzählten wir auch Frau Dr. Földy, die eigentlich wegen unserer Katze ins Haus gekommen, von Mutz aber sofort in Beschlag genommen worden war. Liebe auf den ersten Blick, so könnte man seine erste Begegnung mit ihr beschreiben. Ihren Vorschlag, eine Laserakupunktur-Behandlung in Kombination mit Bachblüten zu starten, haben wir sofort angenommen. Zu Beginn waren wir etwas skeptisch, ob Mutz während der Akupunktur überhaupt zur Ruhe kommt, denn die Begeisterung ob Frau Dr. Földys Anwesenheit war schier grenzenlos. Kaum ist das Gerät aber eingeschaltet, legt sich unser Schmusebär gemütlich hin und schläft bereits nach wenigen Minuten tief und fest.

 

Mittlerweile sind ein paar Wochen ins Land und auch einige Gewitter über uns hinweg gezogen. Die Entwicklung, die Mutz im Verlauf der Behandlung durchgemacht hat, ist phänomenal. Beim ersten Gewitter bereits war er merklich ruhiger, auch wenn er immer noch die Nähe zu uns Menschen suchte. Beim zweiten Gewitter wurde lediglich kurz der Kopf gehoben und ein prüfender Blick auf Frauchen und Herrchen geworfen. „Die sitzen ruhig im Sessel? Dann kann ich ja weiterschlafen“, so schien Mutz zu denken. Vor zwei Wochen starteten wir dann den Härtetest: Gassigang, obwohl wenige Kilometer entfernt bereits das erste Donnern eines heranziehenden Gewitters zu hören war. Vor der Behandlung war ein solches Szenario undenkbar. Wir hätten unseren Hund freiwillig keinen Millimeter vor die Haustür bekommen. Seine Reaktion dieses Mal: „Cool, da draußen ist ja richtig was los!“. Er ist voller Begeisterung los, hat kein einziges Mal auf das Grollen reagiert, sondern stattdessen sehr ausführlich Nachrichten mit anderen Hundekollegen ausgetauscht.

 

Auch der Wischmopp ist seit langem kein Feind mehr für Mutz, den man attackieren muss. Wenn die Hundeeltern mal wieder ihren Putzfimmel bekommen, ist das doch ihre Sache. Als Hund kann man da gemütlich auf dem Sofa liegen bleiben und den anderen beim Arbeiten zusehen.

 

Dank Frau Dr. Földy und der TCM konnte Mutz bereits eine Vielzahl alter Gespenster loswerden, die ihm und damit auch uns das Leben erschwert haben. Die ein oder andere Baustelle gibt es immer noch zu erledigen, aber das schaffen wir auch noch. Vor allem erwarten wir nun mit Spannung den nächsten Jahreswechsel. Wie wird sich Mutz dann verhalten?

 

 

© Tierarztpraxis für chinesische Medizin Földy