Leishmaniose: Wie sich Stress, Angst und PTBS bei Tieren auf das Immunsystem auswirken

Es gibt viele Arten von Stress, die einen Einfluß auf das Immunsystem nehmen können. Neben den biologischen „ Stressoren „ , wie Bakterien, Viren, Parasiten und Entzündungsprozessen, spielt auch der psychosoziale und psychische Stress eine wesentliche Rolle in der Beeinflussung des Immunsystems.

Zu den sog. „ psychosozialen Stressoren „ zählen u.a. folgende:

 

psychische Belastungen

psychische Traumata ( PTBS )

 

Neben diesen Stressoren können auch Umweltfaktoren und endogene Stressoren, wie reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies das Immunsystem und seine Reaktion auf Pathogene in unterschiedlicher Weise zusätzlich beeinflussen.

 

Ebenso hat die Dauer des Stresses eine unterschiedliche Auswirkung auf das Immunsystem von Säugetieren. Bei einem kurzzeitigen Stress, z.B. Fluchtreaktion / Kampfreaktion wird das Immunsystem eher aktiviert und bei einem dauerhaften Stress ( z.B. psychischer Stress durch PTBS, Depression, Angst, Panik, erlernte Hilflosigkeit, körperliche Misshandlungen, Vernachlässigung, emotionale Gewalt ( hartes Training, Geschrei, u.a. ), emotionale Traumata nach schweren Erkrankungen, Operationen und Unfällen, Umweltbedingungen ( erhöhte Lärmbelästigung, u.a. ), übermäßige und andauernde körperliche Belastung oder Sport, chronische Schmerzen, Verlust eines Lebensgefährten ( Artgenosse / Mensch ), u.a. ) eher gehemmt.

 

Solche aversiven Emotionen ( Angst, Wut, Angst/Aggression, Trauer, Depression, u.a. ) wirken über das neuroendokrine System / Stresshormonachse auf das Immunsystem. Diese Wirkung und der Signalaustausch erfolgt bidirektional. Einmal vom Gehirn über die Neurone und Hormone auf das Immunsystem, aber auch von den Immunzellen über Botenstoffe auf das Gehirn / Psyche ( z.B. chronische Schmerzen, erhöhte Schmerzhaftigkeit bei extremer Angst, Entzündungen, chronische Erkrankungen / Verletzungen).

 

Folgende Wirkung findet man beim Immunsystem:

  • gesteigerte Anfälligkeit gegen Infektionen

  • gesteigerte Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen

  • Aktivierung von latent vorhandenen Viren ( z.B. Herpes-Virus ) und anderen pathogenen Erregern

  • Wundheilungsstörungen und gesenkte Wundheilungsgeschwindigkeit.

Wie wirkt sich Langzeitstress auf das Immunsystem aus?

 

Bei der Depression ist es bekannt, dass sich der Cortisol-Spiegel erhöht. Dadurch wird die Vermehrung der Immunzellen und die Synthese von Cytokinen und anderen Substanzen ( Immunzellen töten damit erregerbefallene Körperzellen ab ) gehemmt. Durch den erhöhten Cortisolspiegel wird zusätzlich die Bildung von Antikörpern nach Impfungen , die Wundheilung, die Ausbildung von zytotoxischen T-Zellen ( gegen intrazelluläre Erreger ) gestört. Normalerweise wirkt das Cortisol entzündungshemmende. Trotzdem kommt es bei einem Langzeitstress zu vermehrten Entzündungen ( Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, Hautentzündungen, u.a. ) Wie der Mechanismus dazu funktioniert ist noch nicht bekannt. Man vermutet eine Down-Regulation der entsprechenden Cortison-Rezeptoren. Jedoch ist bekannt, dass bei Dauerstress, Angst oder Depression eine Stress/ angst-induzierte Verminderung der Zytokine erfolgt, die dringend bei der Wundheilung benötigt werden. Der Prozess der Wundheilung über die Zytokine wird zum Teil durch einer erhöhten Produktion und Ausschüttung von Substanzen, wie IL-1β vermittelt. Dadurch kommt es zu eine vermehrten Produktion von IL-2, IL-6 und CXCL-8. Sie aktiviert damit Prozesse, die für die Wundheilung wichtig wären, wie die Chemotaxis von Fibroblasten, die Produktion von Collagen, u. a.

Der hemmende Effekt auf die Wundheilung durch Stress, Angst und Depression konnte auch an Tierexperimenten gezeigt und bestätigt werden. ( Glaser und Kiecolt-Glaser 2005 ).

Ferne konnte auch bestätigt werden, dass ein psychosozialer Stress, wie anhaltende Angst, u.a. , zu einer beschleunigten Alterung der Immunzellen ( Leukozyten ) führt. Das Altern der Zellen hängt von der Länge der Telomerase ab und nimmt im Alter ab. Stress / Angst / Depression beschleunigen diesen Prozess der Alterung. Dadurch nimmt die Immunaktivität ab.

Hormone der sog. HPA-Achse und SAM-Achse, wie Adrenalin und auch CRH wirken sich zu Beginn des Stresses aktivierend auf das Immunsystem aus. Bei länger andauerndem Stress kommt es besonders durch Adrenalin und Cortisol zu einer Hemmung des Immunsystems.

Eine Reihe weiterer Hormone nehmen einen Einfluss auf das Immunsystem und seine Zellen, darunter Serotonin, Substanz P , CRH, Prolaktin, Wachstumshormon, Neuropeptid Y. Einen eher stimulierenden Effekt auf das Immunsystem zeigen folgende Hormone : Thyreotropin, Schilddrüsenhormone ( T3, T4 ), lutenisierendes Hormon ( LH ), FSH und Endorphine.

Zum Beispiel führen die Hormone Adrenalin und Noradrenalin zu einer vermehrten Differenzierung der Th2- Zellen. ( Glaser und Kiecolt-Glaser 2005 ). Diese Th2 -Zellen schütten verschiedene Interleukine aus ( Interleukin 4, -5, - 10 und -13), die folgende Effekte haben.

  • Stimulation von B- Zellen

  • Antikörpersynthese ( Ig1, und IgE)

  • Aktivierung von Eosinophilen

  • Dämpfung der Immunreaktion über IL- 10 und – 13

Diese humorale Abwehr benötigt man bei der Bekämpfung von extrazellulären Pathogenen, wie Viren, Bakterien und Vielzeller.

Für die Bekämpfung von intrazellulären Erregern, Viren und Bakterien ist eine Differenzierung zugunsten der TH-1-Zellen erforderlich. Diese schütten bei Differenzierung vermehrt IFN-γ ( Interferon ) aus, welche die intrazellulären Viren, Bakterien und Erreger durch eine Aktivierung der Makrophagen und der zytotoxischen Lymphozyten bekämpft.

Serotonin moduliert die IFN-γ- Synthese durch die natürlichen Killerzellen. Serotonin wird von den sog. Raphekernen im Gehirn gebildet und regulieren den präfrontalen Cortex, die Amygdala, den Hippocamus und den Locus coeruleus im Gehirn.  Dauerhafter Stress / Angst / Depression / PTBS hingegen führen zu einer verminderten Serotoninproduktion und damit zu einer Fehlinterpretation von emotionalen und sozialen Signalen. Dadurch wird die emotionale Erinnerung schlechter verarbeitet. ( Southwick et al. 2005). Serotonin steht im Zusammenhang mit folgenden Symptomen: Schlafstörungen, Zwangsstörungen, nicht steuerbares aggressives Verhalten, Depression und Panikattacken. Da Serotonin bei Menschen und Tieren aus der Aminosäure L-Tryptophan im Körper hergestellt wird, gilt eine genaue Diagnostik, ob ein Mangel besteht. Bei der Verwendung von Medikamenten mit serotonergen Wirkgung sollte mit großer Vorsicht vorgegangen werden. Medikamente die serotonerg wirken sind SSRI  (Serotonin- wiederaufnahme-Hemmer ), SNRI, Trizyklika, MAO-Hemmer, Bupropion. Neben diesen gibt es noch Medikamente die als Sertoninmodulatoren bezeichnet werden, wie zum Beispiel Buspiron. Diese können bei einer Zufuhr von L-Tryptophan oder bei der Gabe von mehreren  zu einem sog. Sertonin-Syndrom führen, bestehend aus Tremor, Agitation, gesteigertem Muskeltonus, Hyperreflexie, Krampfanfällen, Hyperthermie und schweren Bewußtsseinstörungen. Sie gilt in der Humanmedizin als lebensbedrohlicher psychatrischer Notfall.

 

Auch hier hat sich die Therapie über bestimmte Akupunkturpunkte als sehr effektiv herausgestellt. So konnte einem Hund, der durch mehrmalige schwere Beißattacken schwer traumatisiert wurde, schnell geholfen werden. Die unkontrollierte Angst-Aggression / " Ausrasten " , wodurch er nicht mehr ansprechbar war, sank sehr schnell ab. Zunächst war die Aggression nicht mehr so unkontrollierbar und er beruhigte sich dadurch schnell. Durch einen entsprechenden Test konnte zusätzlich ein Serotonin-Mangel, der durch das Trauma ausgelöst wurde, festgestellt werden. Mithilfe der Akupuntur und Traumatherapie kam es zu einer Ansprechbarkeit.  Dadurch nahm er seinen Halter und seine Umwelt wieder wahr und es konnte ein Training mit positiver Konditionierung unterstützend eingesetzt werden. In dieser Kombination konnte man zuschauen, wie aus einem sog. " Leinenrambo " ein in sich ruhender und ausgeglichener Hund wurde. Dazu wurde die Therapie und das Training kontinuierlich fortgeführt.

Vor der Therapie zeigten sich folgende Symptome:

  • starkes Ziehen an der Leine
  • erhöhte Angst / Aggression an der Leine bei der Begegnung mit freilaufenden Hunden
  • erhöhte Aggression und Vokalisation, wenn ein Hund bellend gegen den Zaun sprang
  • keine Ansprechbarkeit oder Reaktion auf Ablenkung oder Gegenkonditionierungsversuche
  • erhöhte Muskelverspannung im Rücken
  • erhöhte Muskelübersäuerung durch den Stress, Angst und die Muskelanspannung
  • Durchschlafstörungen
  • Stressdurchfall
  • chronische Konjungtivitis

 2 Wochen nach Therapiebeginn:

  • Ziehen an er Leine hat komplett aufgehört
  • Aggression und Vokalisation haben deutlich abgenommen
  • deutlich besser Ansprechbarkeit und damit ein Training mit positiver Konditionierung auf die Umwelt möglich
  • deutlich Besserung der Muskelverspannungen
  • keine Durchschlafstöungen mehr
  • Stressdurchfall komplett behoben
  • Konjungtitvitis komplett behoben

4 Wochen nach Therapiebeginn:

  • völlig entspanntes gehen an der Leine, auch bei Hundekontakt oder freilaufenden Hunden
  • keinerlei Aggression
  • Muskelverspannungen vollständig beseitig
  • keinerlei Durchschlafstörungen mehr.

Die Therapie mit der Akupunktur ermöglichte einen Zugang zu diesem schwer traumatisierten Hund, zeigte eine deutliche Reduktion der Angst / Aggression, die durch das positive Training innerhalb weniger Wochen zu einen wundervollen entspannten Hund führte, der seine Umwelt als positiv betrachen kann.

Dies ist nur ein Beispiel, wie eine Verhaltensänderung bei traumatisierten Tieren mittels Akupunktur helfen kann.

 

Kurz zusammengefasst kann man sagen, das unter dauerhaftem Stress/ Angst/ Depression Cortisol ( Glucocorticoide ) die Aktivität von Th1- Zellen hemmt und Adrenalin / Noradrenalin ( dauerhafter Stress ) und Cortisol die Bildung und Aktivität der Th2- Zellen aktiviert und fördert ( Webster et al. 1998). Der genau Mechanismus ist noch nicht ganz geklärt und unterliegt vielen verschiedenen Faktoren.

Diese Fakten spielen bei der Therapie von der canine Leihmaniose eine sehr wesentliche Rolle, da man über eine Immunmodulation zugunsten der Th1-Zellen eine Bekämpfung der intrazellulären Leihmanien erreichen will.

Mit dem heutigen Wissen über das Immunsystem und seine Veränderung unter dauerhaftem Stress / Angst / Depression / PTBS ist es erforderlich, dass die emotionalen Belastungen bei der Leishmaniose mitbehandelt werden. Viele Tiere erleiden ein sehr schweres seelisches Trauma, das sich tief in ihre Seele brennt.

Um dieses Problem zu lösen, hat sich das Auffinden der Traumas, die Austestung von einem Serotoninmangel, die Behandlung mit Akupunktur und das Erreichen einer Stabilität gegen wiederauftretenden Stress / Trauma als besonders effektiv erwiesen. Zusätzlich sollte ein stressfreies Training mit positiver Konditionierung erfolgen.

Ziel ist es sanft und neenwirkungsfrei zu therapieren, um mögliche Flashbacks zu vermeiden und eine Resilienz zu erreichen.

Durch die Behandlung der seelischen Verletzungen, Traumata und Stress können wir einen positiven Effekt auf das Immunsystem erzielen.

Trotzdem sollten wir immer daran denken, dass sich Traumata, Stress und seelische Verletzung im Verhalten der Tiere unterschiedlich äußern können und oftmals sehr tief sitzen.

So wurde meine Hündin, die aus einem Leishmaniosegebiet kommt, einige Tage nach ihrer Ankunft bei mir, sofort auf Traumata positiv ausgetestet und behandelt. Sie zeigte deutliche Stressreaktionen in Form von Hyperaktivität und Stress / Angst ( gegen Männer, Autos, u.a. ), Durchschlafstörungen, Stressblase, u.a.. Gleichzeitig wurde sofort eine Immuntherapie und Modulation eingeleitet. Ihre Stressreaktion waren nach 14 Tagen völlig verschwunden und sie war für ein Training ansprechbar. Dieser positive Effekt hält bis heute, nach fast 6 Monaten an.

 

Änderungen, zusätzliche Informationen und entsprechende References ( Artikel / Publikationen ) werden evtl. noch ergänzt und vervollständigt. Das Immunsystem wurde sehr vereinfacht dargestellt. Es dient nur dem Verständis. Dieses Thema ist sehr komplex und wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflußt.