Ashi Punkte und Myofasziale Triggerpunkte

Ashi Punkte und Myofasziale Triggerpunkte – Ein wissenschaftlicher Überblick

Einleitung

Die Konzepte der Ashi Punkte aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und der myofaszialen Triggerpunkte (mTrPs) aus der westlichen Schmerz- und Physiotherapie sind seit Jahren Gegenstand intensiver Forschung. Internationale Publikationen beleuchten zunehmend die strukturellen, funktionellen und physiologischen Ähnlichkeiten – was auf eine weitreichende Konvergenz dieser beiden traditionellen Systeme hinweist (Dorsher & Fleckenstein, 2006). Ein tieferes Verständnis dieser Zusammenhänge kann zu einer effektiveren, integrativen Therapie von muskuloskelettalen Schmerzsyndromen führen.

 

In diesem Artikel werden zunächst die historischen Wurzeln der Ashi Punkte dargelegt, danach das moderne Konzept der Triggerpunkte vorgestellt, gefolgt von einem Vergleich beider Systeme. Schließlich werden die klinischen Implikationen und offene Forschungsfragen erörtert.

 

Historischer Ursprung der Ashi‑Punkte

Ashi‑Punkte (阿是穴, ā‑shì xué) sind in klassischen TCM-Texten bereits seit Jahrhunderten belegt. Im Huangdi Neijing („Innerer Klassiker des Gelben Kaisers“) finden sich Passagen, die das Prinzip „drücke den schmerzempfindlichen Punkt als Therapiepunkt“ beschreiben – ein Konzept, das dem modernen Triggerpunkt-Ansatz erstaunlich nahekommt.

In einer philologischen Studie von Jiang Shan und Zhao Jing‑sheng (2016) wird die Herkunft und Bedeutung des Begriffs „Ashi“ untersucht. Sie analysieren historische Quellen und etymologische Interpretationen und argumentieren, dass Ashi-Punkte ursprünglich genau jene „zarten Stellen“ sind, die durch Palpation vom Patienten „als Punkt“ bestätigt werden („take the tender spot as the point“) (Jiang & Zhao, 2016). In ihrer Arbeit benennen sie drei Hauptinterpretationen des Begriffs „Ashi“: erstens die volkssprachliche Erklärung („ah!“ als Schmerzreaktion, „shi“ als Bestätigung), zweitens eine historisch-philologische Interpretation („Shi“ als Titel eines Höflings in alten chinesischen Dynastien) und drittens Zitate aus klassischen medizinischen Texten (Jiang & Zhao, 2016, S. 11–14).

Historisch spielte Sun Simiao (581–682 n. Chr.), ein herausragender Mediziner der Tang-Dynastie, eine wichtige Rolle bei der Systematisierung der Ashi-Methode. In seinem Standardwerk Qianjin Yao Fang („Wertvolle Formeln im Wert von tausend Dukaten“) werden druckempfindliche Stellen explizit als therapeutische Punkte genutzt. Diese frühe klinische Anwendung zeigt, dass das Konzept der Ashi-Punkte bereits vor über einem Jahrtausend in die Praxis integriert war.

Im Verlauf der chinesischen Medizin wurden Ashi-Punkte zunehmend mit klassischen und außerordentlichen Akupunkturpunkten verknüpft. Peng & Du (2021) beschreiben in ihrer historischen Analyse, wie Ashi-Stellen im Qin-, Han- und späteren Dynastien klinisch genutzt wurden; in der Ming- und Qing-Dynastie wurden sie schließlich systematisiert. (Peng & Du, 2021, S. 487–488).

 

Das Konzept der Ashi Punkte

Ashi-Punkte zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht an festen anatomischen Landmarken definiert sind, sondern durch Palpation identifiziert werden. Wenn bei Druck eine schmerzhafte Reaktion ausgelöst wird, gilt dieser Punkt als Ashi. (Jiang & Zhao, 2016). In modernen Studien versucht man, diese subjektive Diagnostik durch objektivere Methoden zu ergänzen: So wurden sensorische Tests entwickelt, die Druckschwellen oder thermische Schwellen messen, um die Empfindlichkeit eines Ashi Punkts quantitativ zu bestimmen (z. B. in neueren Publikationen zur Empfindungsdiagnostik) (vgl. neuere Forschung).

Ein zentraler Gedanke bei Jiang & Zhao (2016) ist die Erweiterung des Begriffs „Qi-Wege“ (qi-jie), um die klinische Funktion von Ashi-Punkten besser zu erklären. Sie schlagen vor, dass Ashi-Stellen nicht strikt an die klassischen Meridiane gebunden sein müssen, sondern als dynamische, auf den momentanen Zustand des Körpers reagierende Punkte verstanden werden können (Jiang & Zhao, 2016, S. 13 f.).

 

Historisch war die Lokalisierung der Ashi-Punkte sehr pragmatisch – man tastete nach druckempfindlichen Stellen, nicht nach vorgegebenen Punkten. Diese Methode war besonders in Volksmedizin-Kontexten verbreitet, wo standardisierte Akupunkturkarten weniger zugänglich waren (Peng & Du, 2021).

 

Myofasziale Triggerpunkte – Grundlagen

Myofasziale Triggerpunkte (mTrPs) sind ebenfalls druckempfindliche Stellen, aber aus einer anderen Tradition: Sie stammen aus der westlichen Schmerzmedizin. Nach Travell & Simons ist ein Triggerpunkt eine lokal begrenzte Stelle im Muskel oder in der Faszie, die bei Druck typischerweise Schmerz auslöst, manchmal mit Ausstrahlung (referred pain) oder mit charakteristischen palpatorischen Befunden (z. B. ein „Knoten“ oder „Strang“) (Travell & Simons, wie referenziert in Dorsher & Fleckenstein, 2006).

Der US-amerikanische Arzt Janet Travell prägte in den 1940er Jahren das moderne Konzept des Triggerpunkts; zusammen mit David Simons erstellte sie das „Trigger Point Manual“, das bis heute eine wichtige Referenz in der myofaszialen Schmerztherapie darstellt (Dorsher & Fleckenstein, 2006).

 

Triggerpunkte werden häufig in aktive und latente unterteilt: Aktive Triggerpunkte verursachen spontan Schmerz, latente nur bei Druck. Die Pathophysiologie von Triggerpunkten ist komplex – Hypothesen reichen von mikroskopischen Verletzungen über Stoffwechselstörungen bis zu neurologischen Dysregulationen und motorischen Endplatten.

 

Vergleich von Ashi Punkten und Triggerpunkten

Anatomische und klinische Übereinstimmungen

Ein Meilenstein in der Forschung ist die Arbeit von Dorsher & Fleckenstein (2006, veröffentlicht 2008/2009), die eine systematische Analyse von 255 der häufigsten myofaszialen Triggerpunkte (aus dem Trigger Point Manual) durchführte und diese mit klassischen Akupunkturpunkten verglich (Dorsher & Fleckenstein, 2006; später publiziert in Deutsche Zeitschrift für Akupunktur, Teil 1, 2, 3). In dieser Analyse fanden sie, dass 238 von 255 Triggerpunkten (> 93 %) anatomisch mit klassischen Akupunkturpunkten korrelierten (Dorsher & Fleckenstein, 2008a).

Darüber hinaus wiesen 221 dieser 238 Punktpaare (94 %) ähnliche Schmerz Indikationen auf, wie in den Triggerpunkt- und Akupunkturliteraturen beschrieben (Dorsher & Fleckenstein, 2008b). Auch somatoviszerale Effekte (nicht-pain bezogene Effekte) stimmten in vielen Fällen überein: Bei 56 von 60 Triggerpunkten, die im Trigger Point Manual mit nicht-pain Effekten beschrieben sind, fanden sich ähnliche Effekte bei den korrelierenden Akupunkten (Dorsher & Fleckenstein, 2008b).

Diese Ergebnisse deuten stark darauf hin, dass die meisten häufigen Triggerpunkte eine klare Entsprechung in den klassischen Akupunkturpunkten haben – was auf ein gemeinsames Phänomen hindeutet.

Physiologische Gemeinsamkeiten

In einer weiteren Studie untersuchte Dorsher (2009), ob die Verteilung des referred pain von Triggerpunkten mit den Verläufen der klassischen Meridiane übereinstimmt. Dabei aggregierte er die Schmerzverläufe von Triggerpunkten, die anatomisch mit bestimmten Meridianen und Organ-Kanälen assoziiert sind, und verglich sie mit den klassischen Meridianverläufen (z. B. Blase, Lunge etc.). (Dorsher, 2009). Er fand, dass die kumulierten Schmerzverteilungen aus Triggerpunkten die bekannten Meridianverläufe erstaunlich gut abbilden – für alle 12 Hauptmeridiane (z. B. Blasenmeridian, Lungenmeridian) (Dorsher, 2009; J. Pain, 10(7):723–731).

Diese Arbeit liefert physiologische Evidenz dafür, dass Triggerpunkte und Akupunkturpunkte nicht nur anatomisch, sondern auch funktionell eng verbunden sind – und unterstützt damit die Theorie, dass die Meridiane zumindest teilweise durch myofasziale Strukturen erklärbar sind (Dorsher, 2009).

Kritik und alternative Sichtweisen

Nicht alle Stimmen in der wissenschaftlichen Community sind sich einig. Birch (2008) etwa reanalysierte die Daten von Melzack, Stillwell & Fox (1977) (die bereits in den 70er Jahren eine hohe Übereinstimmung von Triggerpunkten und Akupunkten fanden) und kam zu einem sehr viel konservativeren Ergebnis: Er argumentierte, dass nicht klassische Akupunkte, sondern vor allem Ashi Punkte mit Triggerpunkten verglichen werden sollten, da nur diese durch Druck definiert seien (Birch, 2008). Birch schätzt, dass maximal 18–19 % der klassischen Akupunkte klinisch in der Schmerzbehandlung mit Triggerpunkten korrelieren, wenn man andere Akupunkturreferenzen als in der Originalarbeit verwendet (Birch, 2008).

 

Birch’s Analyse hat wiederum in der Forschung Widerstand hervorgerufen, da andere Autoren wie Dorsher & Fleckenstein und auch neuere Studien auf die hohe Übereinstimmung hinweisen. Tatsächlich argumentiert Birch selbst, dass Myofaszial-Daten helfen könnten, die Wirkmechanismen der Akupunktur besser zu verstehen (Birch, 2008).

 

Neuere empirische Befunde und Erweiterungen

Gemeinsamkeiten zwischen Ashi Punkten und Triggerpunkten im modernen Kontext

In einer neueren Studie Lee, Lee & Chae (2022) (veröffentlicht über PubMed) untersuchten die Autoren die Beziehung zwischen verschiedenen Untergruppen von Akupunkten (klassische Punkte, Extra-Punkte, Ashi-Punkte) und myofaszialen Triggerpunkten. Sie kamen zu dem Schluss, dass Triggerpunkte vor allem Ashi-Punkten entsprechen, und weniger den klassischen und Extra-Akupunkten. (Lee, Lee & Chae, 2022). Die Autoren formulieren, dass Ashi-Punkte und Triggerpunkte bei muskuloskelettalen Schmerzsyndromen „nicht unterscheidbar“ sind (Lee, Lee & Chae, 2022, Abstract).

Diese Befunde stützen sich auf frühere Arbeiten und liefern eine moderne, methodisch sauberere Untersuchung des Verhältnisses zwischen beiden Punktarten.

Theoretische Neubewertung von Ashi

Auch aus theoretischer Perspektive gibt es aktuelle Entwicklungen: Jiang Shan & Zhao Jing sheng (2016) argumentieren, dass das konventionelle Verständnis von Ashi-Punkten neu reflektiert werden muss. Sie stellen fest, dass historische Missverständnisse, semantische Fehlinterpretationen und strukturelle Veränderungen in der Akupunkturtheorie (z. B. durch Einflüsse aus Japan) das moderne Verständnis von Ashi-Punkten verzerrt haben (Jiang & Zhao, 2016). In neueren Arbeiten werden diese Überlegungen weitergeführt, etwa in dem Artikel „Constructed ‘ashi point’“ von Jiang & Zhao (2023), in dem die Autoren die Begriffsentwicklung, den Status und die Eigenschaften von Ashi-Punkten kritisch analysieren (Jiang & Zhao, 2023).

Biochemische und neurophysiologische Mechanismen

 

Neben anatomischen und klinischen Studien gibt es auch biochemische Forschung, die zur Integration von Triggerpunkten und Akupunktur beiträgt. Eine wichtige Studie nutzte in vivo Microdialyse in mTrPs, um die chemische Zusammensetzung um Triggerpunkte zu charakterisieren: Es wurden erhöhte Konzentrationen von Entzündungsmediatoren, Neuropeptiden und Cytokinen gemessen, die Nervenendigungen stimulieren können (Shah, Schmid & Fleckenstein, 2008) (Quelle: Microdialyse-Studie, z. B. ResearchGate). Diese biochemischen Befunde stützen die Vorstellung, dass Triggerpunkte nicht nur mechanische, sondern auch neurochemische Komponenten haben, die mit den Effekten von Akupunktur (z. B. durch Nadelstimulation) kompatibel sind (Shah et al., 2008).

 

Klinische Implikationen

Integration in die Schmerztherapie

Die starken Überschneidungen zwischen Ashi Punkten und Triggerpunkten bieten eine solide Grundlage für integrative Therapieansätze. So kann das Needling von Ashi-Punkten (klassisch in der Akupunktur) mit dem Dry Needling von Triggerpunkten kombiniert werden. Zahlreiche Kliniker berichten von positiven Ergebnissen bei muskuloskelettalen Schmerzen, wenn sie diesen integrativen Ansatz nutzen (siehe klinische Fallberichte und kleine Studien).

Darüber hinaus ermöglicht das Verständnis der zugrundeliegenden physiologischen Mechanismen – insbesondere der neurochemischen wie durch Microdialyse ausgewiesenen – eine gezieltere Therapie: Akupunkteure und Physiotherapeuten können gemeinsam entscheiden, welche Punkte zu nadeln sind, auf welche Tiefe, welche Technik und welche Ergänzungstherapien sinnvoll sind (z. B. manuelle Therapie, Bewegung, Faszienbehandlung).

Ausbildung, Qualitätsstandards und Forschung

Für eine hochwertige Anwendung ist eine systematische Ausbildung unerlässlich. Therapeuten sollten in der Lage sein, Ashi-Punkte palpatorisch zu identifizieren, aber auch die moderne Forschung (z. B. quantitative Sensibilitätstests) einzubeziehen. Daher ist es notwendig, Ausbildungsprogramme und Leitlinien zu entwickeln, die Palpation, Diagnostik, objektivierende Methoden und Needling-Techniken kombinieren.

 

Zudem besteht großer Bedarf an randomisierten, kontrollierten Studien (RCTs), die integrative Behandlungsprotokolle vergleichen: Zum Beispiel klassische Akupunktur vs. Dry Needling vs. kombinierte Therapie vs. Placebo oder Standardbehandlung. Solche Studien könnten zeigen, ob die synergetische Nutzung von Ashi  und Triggerpunkten zu besseren klinischen Ergebnissen führt.

 

Neueste Studienergebnisse

In den letzten Jahren hat die Forschung die Beziehung zwischen traditionellen Ashi-Punkten (in der ostasiatischen Akupunkturpraxis meist als schmerzhafte „pain-as-point“-Stellen beschrieben) und myofaszialen Triggerpunkten (MTrPs) zunehmend empirisch untersucht. Mehrere systematische Übersichten und randomisierte Studien zeigen, dass Needling-Techniken, die gezielt an MTrPs oder an Ashi-Punkten angewendet werden, bei bestimmten Formen von myofaszialen Schmerzen kurzfristig Schmerzintensität und funktionelle Einschränkungen reduzieren können; dabei deuten Metaanalysen auf einen moderaten, meist kurzzeitigen Vorteil gegenüber einigen Nicht-invasiven Vergleichstherapien hin. 

Mechanistisch rückt die neuere Literatur weg von einer dichotomen Trennung von „Akupunkturpunkt vs. Triggerpunkt“ und hin zu einem integrativen Modell: histologische, bildgebende und neurophysiologische Befunde legen nahe, dass viele Ashi-Lokalisationen mit Bereichen erhöhter mechanosensitiver Aktivität in Muskel- und Fasziengewebe (MTrPs) korrelieren. Diese Korrespondenz wird durch Arbeiten untermauert, die eine Überlappung in Lokalisationen, Schmerzausstrahlungsmustern und Reaktionen auf Needling beschreiben und deshalb vorschlagen, die Begriffe phänomenologisch zu verknüpfen. 

Neuere RCTs und große Übersichtsarbeiten haben darüber hinaus klinisch relevante Differenzierungen gefunden: Bei einigen Entitäten (z. B. chronische Nackenschmerzen, lumbale myofasziale Schmerzen, bestimmte gynäkologische Schmerzzustände) zeigt das gezielte Needling von MTrPs/Ashi-Stellen bessere Ergebnisse als Placebo bzw. manche konservativen Maßnahmen; gleichzeitig variiert die Präzision der Effektgrößen stark mit der Studienqualität, Follow-up-Dauer und der angewandten Needling-Technik (trockenes Needling vs. Akupunktur vs. Injektionsverfahren). Die neurophysiologischen Untersuchungen deuten darauf hin, dass Needling sowohl periphere (z. B. lokale Durchblutung, Stoffwechsel) als auch zentrale Mechanismen (z. B. Modulation der nozizeptiven Verarbeitung, Veränderung spinale/ supraspinale Hemmungsprozesse) aktiviert. 

Methodisch wird in der aktuellen Forschung deutlich, dass die Heterogenität der Definitionskriterien (wie genau ein Ashi-Punkt oder ein aktiver Triggerpunkt diagnostiziert wird), die Unterschiedlichkeit der Kontrollbedingungen (Sham-Needling sehr variabel) und kurze Nachbeobachtungszeiten die Interpretierbarkeit einschränken. Die Autoren fordern daher standardisierte Befundkriterien, bessere Blinding-Methoden und längere Follow-up-Zeiträume, um die klinische Langzeitwirksamkeit und die zugrundeliegenden Wirkmechanismen zu klären. 

 

 

Insgesamt positioniert sich die aktuelle Evidenz so, dass Ashi- und myofasziale Triggerpunkt-Konzepte zunehmend als komplementäre — teilweise überlappende — Beschreibungen desselben klinischen Phänomens verstanden werden: für die Praxis bedeutet das, dass gezielte Needling-Interventionen an schmerzhaften Lokalisationen eine evidenzbasierte Option darstellen können, zugleich aber die Variabilität der Studienlage und die begrenzte Dauer vieler Nachbeobachtungen berücksichtigt werden müssen. 

 

Diskussion: Grenzen und offene Fragen

Trotz der vielversprechenden Befunde gibt es mehrere Herausforderungen:

 

  1. Subjektivität der Palpation: Die Lokalisierung von Ashi-Punkten basiert oft auf der subjektiven Wahrnehmung von Druckempfindlichkeit, was zu Variabilität zwischen Therapeut:innen führen kann. Objektivierungsmethoden sind noch nicht standardisiert.

  2. Mechanistische Komplexität: Obwohl Hinweise auf neurochemische Prozesse (z. B. erhöhte Entzündungsmediatoren) bestehen, sind die genauen Wirkmechanismen – insbesondere wie Needling Schmerzen reduziert – noch nicht vollständig geklärt.

  3. Klinische Evidenz: Es fehlen große, qualitativ hochwertige RCTs, die langfristige Effekte und Sicherheitsaspekte untersuchen.

  4. Terminologie und Übersetzung: Die historische Semantik von „Ashi“ ist komplex. Die verschiedenen Interpretationen (etymologisch, kulturell) erschweren eine standardisierte Definition, die in moderne Forschung überführt werden kann (wie Jiang & Zhao diskutieren).

  5. Interdisziplinäre Barrieren: Eine echte Integration von Akupunktur und myofaszialer Therapie erfordert nicht nur wissenschaftliches, sondern auch kulturelles und institutionelles Verständnis – und eine gemeinsame Sprache zwischen TCM-Praktiker:innen, Physiotherapeut:innen, Ärzt:innen.

Fazit

Die wissenschaftliche Literatur – von klassischen Vergleichen bis hin zu modernen Studien – legt nahe, dass Ashi Punkte der TCM und myofasziale Triggerpunkte in vielen Aspekten übereinstimmen: anatomisch, klinisch und physiologisch. Arbeiten von Dorsher & Fleckenstein (2008/2009) zeigen eine sehr hohe Übereinstimmung sowohl in der Lokalisation als auch in den Schmerz- und somatoviszeralen Indikationen. Jiang & Zhao (2016) liefern eine historisch-philologische Fundierung des Ashi-Begriffs und argumentieren für eine Neubewertung seiner Bedeutung. Neuere empirische Studien (z. B. Lee, Lee & Chae, 2022) bestätigen, dass Triggerpunkte überwiegend mit Ashi Punkten korrespondieren.

Klinisch eröffnet diese Konvergenz große Potenziale für integrative Therapieansätze: Die Kombination von Needling Techniken, Palpation, manueller Therapie und moderner Diagnostik könnte das Schmerzmanagement effektiv verbessern. Gleichzeitig besteht ein erheblicher Forschungsbedarf – insbesondere bei der Standardisierung, der Ausbildung und der Durchführung großer, methodisch strenger Studien.

 

Insgesamt verdeutlicht die wissenschaftliche Arbeit, dass zwei ehemals getrennte medizinische Traditionen – TCM und westliche myofasziale Therapie – in einem wichtigen Punkt zusammenfinden: in der Behandlung druckempfindlicher, schmerzhafter Punkte am Muskel- und Faszienapparat. Die Verknüpfung dieser Traditionen könnte nicht nur das Verständnis von Schmerz vertiefen, sondern auch zu besserer Patientenversorgung führen.

 

 

Literaturverzeichnis

 

  • Birch, S., 2008. Can classical acupuncture points and trigger points be compared in the treatment of pain disorders? Birch's analysis revisited. Journal of Alternative and Complementary Medicine, 14(4), S. 343–345.

  • Dorsher, P. T. & Fleckenstein, J., 2006. The anatomic, clinical, and physiologic correspondences of myofascial trigger points and classical acupuncture points. Longhua Chinese Medicine.

  • Dorsher, P. T., 2009. Myofascial referred pain data provide physiologic evidence of acupuncture meridians. The Journal of Pain, 10(7), S. 723–731.

  • Jiang, S. & Zhao, J.-sheng, 2016. The historical source of “Trigger Points”: classical Ashi points. World Journal of Acupuncture – Moxibustion, 26(2), S. 11–14.

  • Jiang, S. & Zhao, J.-sheng, 2023. Constructed “ashi point”. Zhongguo Zhenjiu, (Jg. …), S. 89–94.

  • Lee, M., Lee, J. & Chae, Y., 2022. Similarities between Ashi acupoints and myofascial trigger points: Exploring the relationship between body surface treatment points. [Veröffentlicht bei PubMed].

  • Peng, Y. & Du, X., 2021. The History and Application of “Ashi Points”. International Journal of Clinical and Experimental Medicine Research, 5(4), S. 485–489.

  • Shah, J.P., Schmid, O. & Fleckenstein, J., 2008. Uncovering the biochemical milieu of myofascial trigger points using in vivo microdialysis: An application of muscle pain concepts to myofascial pain syndrome. [in Teilen über ResearchGate einsehbar].

  • Stecco, C., et al., (zitiert in Musculoskeletal-Key), Jahr. Acupuncture as a fascia oriented therapy. Musculoskeletal Key.

  • Barber, J. (2023) ‘Comparative techniques of acupuncture and dry needling: intersecting with trigger point physiology and diagnostics — a cross-discipline narrative review’, Medical Acupuncture.

  • Kang, B. (2025) ‘Naming the unseen: Rethinking the ontology of acupoints’, Journal of Integrative Medicine [online].
  • Song, X. (2025) ‘Effect of acupuncture stimulation on trigger points in patients…’, [Article]. Available at: PMC. PMC
  • Sun, Y. (2025) ‘Efficacy of myofascial trigger point dry needling in treatment…’, Journal of Pain Research [online]. Available at: PMC. PMC
  • Xiong, J. (2024) ‘Acupuncture therapy on myofascial pain syndrome’, Frontiers in Neurology, 2024. Frontiers
  • Zhao, Y. (2025) ‘Needling trigger points for treating myofascial pain syndrome: a systematic review and meta-analysis’, [Journal]. ScienceDirect
  • Ngo, O. T. K. (2024) ‘Electroacupuncture at traditional acupoints or myofascial trigger points…’, Acupuncture in Medicine (2024). SAGE Journals

KONTAKT

   Dr. TCM Andrea Földy

(CCRP, akademische Expertin für  Physikalische Medizin und Rehabilitation bei Hunden, praktische Tierärztin)

Abt-Anselm-Str. 18

82140 Olching

 

Nur Hausbesuche !!!

 

Terminvereinbarungen nur telefonisch!

 

Telefon: 0173 - 3 52 77 07

LESETIPPS


Copyright © 2025. Tierarztpraxis für Physikalische und chinesische Medizin Földy.